An dieser Stelle möchte ich eine Sci-Fi- und Fantasy-Warnung aussprechen - wer mit dem Genre nichts anfangen kann, liest auf eigene Gefahr weiter. Aber keine Angst, es werden euch keine Elfen oder Zwerge über den Weg laufen
Naja, auf denn.
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ALFARIA
1. Kapitel
Die Dunkelheit umgab mich wie ein sanftes, aber festes Tuch. Leise strich sie durch meinen Geist, umgab meine Seele und hüllte mein Ich in dunkle Watte. Meine Gedanken gingen träge, ich erfasste den Sinn des Denkens nicht. Es schien ein Bedürfnis, ja geradezu eine Notwendigkeit zu sein, sich der Dunkelheit zu ergeben, sich darin treiben zu lassen. Ich wusste nicht, wie lange ich schon in dieser düstren Weite schwebte. Es schien eine Ewigkeit zu sein.
Doch als ich tiefer sinken, mich in die weiche Finsternis ergeben wollte, störte etwas den dunklen Reigen. Weit weg, wie aus unendlicher Ferne, reizte etwas meine Ohren. Geräusche. Leise hallten sie durch meinen Geist, schienen an den Wänden meines Ichs wie ein imaginäres Echo widerzuhallen. Ich konnte ihnen keinen Sinn zuordnen, wusste nicht, was sie zu bedeuten hatten. Doch sie verbreiteten Unruhe. Die tiefe Zufriedenheit in meiner Finsternis was dahin. Parallel zu den Geräuschen drang ein neues Gefühl in meine Welt: Ein rhythmisches, ruhiges Pochen. Mein Herzschlag. Ich hatte ein Herz. Die Erkenntnis reichte aus, um den Puls zu beschleunigen. Ein Herz. Ein Körper. Ich spürte meine Arme und Beine, wie aus weiter Ferne. Begann die Schwere zu fühlen, die mich auf einen Boden presste. Spürte meinen Atem, Luft, die meine Lungen füllte. Dann begann sich die Dunkelheit selbst aufzulösen, machte einem sanften, orangenen Glühen Platz. Mein Bewusstsein war erwacht, war zurückgekehrt. Das Geräusch war der Wind, der um meinen Kopf wehte, und der Wind brachte Kälte mit sich. Ich öffnete die Augen.
Es dauerte einen Augenblick bis mein Blick sich fokussierte. Ich lag auf dem Boden, auf nackter, roter Erde. Jetzt konnte ich ihre Rauheit auf meiner Haut fühlen. Doch bereits einen Meter von meiner Nase entfernt wandelte sich die Erde in Gras, knöchelhohes, blaugrünes Gras, das sanft im kalten Wind wiegte. Weiter konnte ich nicht sehen. Ich würde mich aufrichten müssen. Einen Moment blieb ich noch liegen, doch der Genuss war verschwunden. Die angenehme Schwere, die warme, wattige Dunkelheit waren fort, endgültig. Statt dessen schnitt der kalte Wind in meine Haut.
Ich blickte meine rechte Hand an, die nur einige Zentimeter vor meinen Augen schlaff auf dem Boden lag. Betrachtete meine schneeweiße Haut, die unglaublich schlanken Finger, in denen keine Knochen zu existieren schienen. Dann presste ich meine Lippen aufeinander und bewegte eben diese Finger. Es fühlte sich steif an, die Gelenke knackten. Ich bewegte den ganzen Arm, entdeckte den zweiten Arm, den ich besaß, und bewegte auch ihn. Dann schob ich beide Gliedmaßen unter meinen Körper und stemmte mich in die Höhe.
Sitzend konnte ich die Umgebung überblicken. Tatsächlich lag ich auf einem Weg, einem Trampelpfad eher, aus roter, plattgetretener Erde. Um mich herum erstreckte sich eine unendliche Graslandschaft, die erst in weiter weiter Ferne von Bergen begrenzt wurde. Ich blickte mich um, sah den Weg entlang, und konnte in nicht geringerer Ferne etwas erblicken. Verbissen kniff ich die Augen zusammen und erkannte ein Dorf, auf das der Weg zuführte. Hinter dem Dorf ging in allen möglichen Nuancen von Rot die Sonne auf.
In diesem Moment erfasste mich eine kurze Windböe und ich erschauderte heftig. Ich griff mit meiner Rechten an meinen linken Arm und rubbelte ihn kurz, um Wärme in ihn hinein zu treiben. Ich musste hier weg und mir warme Kleidung besorgen oder einen warmen Ort zum Ausruhen. Das Dorf schien der geeignete Fleck für derartige Bedürfnisse zu sein. Als ich mich gerade aufrichten wollte fiel mein Blick auf den Boden - und ein heißer Schreck durchfuhr mich, vertrieb die Kälte aus meinen Gliedern. Der Boden war voller Blut.
Ich brauchte einen Augenblick um diese Erkenntnis zu verarbeiten. Blut. Mein...? Panisch blickte ich an mir herab, ich war besudelt, meine Kleidung, meine Haut... Ich tastete an mir herum, doch konnte keine Verletzung sehen oder spüren. Statt dessen stellte ich fest, dass meine Kleidung arg ramponiert war. Ich trug Sachen, die für dieses Wetter denkbar ungeeignet waren, ein kurzärmeliges, buntes Kleid und darunter eine kurze, eng anliegende Hose. Schuhe trug ich keine, meine hundeartigen, kräftigen Beine und meine Füße lagen bloß. Was war hier passiert, was hatte ich hier verloren? Ein neuer Schreck durchfuhr mich als ich feststellte, ich konnte mich nicht erinnern. Mein Geist war leer.
Ich schluckte schwer, während ich mich langsam erhob. Nur weg von dem ganzen Blut. Ich schwankte ein wenig als ich erneut versuchte, mich zu erinnern. Aber da war nichts. Mein Gedächtnis war ausgelöscht. Ich erinnerte mich, dass ein Baum ein Baum war, und Gras Gras; diese Dinge wusste ich. Aber was passiert war, bevor ich hier zu liegen gekommen bin - das war weg, fort, ausgelöscht. Ich zitterte. Ein drängendes Gefühl machte sich in mir breit wie eiskaltes Wasser. Es war wichtig, dass ich mich erinnerte, ich spürte es ganz deutlich, ich war dabei gewesen etwas wichtiges zu tun, bevor... mir etwas zugestoßen war. Aber was? Es brach mir das Herz, ich zitterte immer heftiger. Ich musste mich erinnern, es war wichtig, so unendlich wichtig, aber ich konnte nicht. Ich konnte es einfach nicht. Langsam schlang ich die Arme um meinen Körper und öffnete den Mund zu einem stummen Schrei, hatte das Gefühl, meine Seele selbst würde zerspringen. Doch als das Gefühl unerträglich zu werden begann ließ es plötzlich nach. Erleichterung machte sich breit, wenn auch nur trügerische Erleichterung. Das Gefühl, dass es wichtig war mich wieder erinnern zu können, blieb. Nervös fuhr ich durch meine langen, blauen Haare und nahm das Dorf ins Visier. Das war mein Ziel. Was immer gewesen sein mochte, was immer mir zugestoßen war - dort wartete vielleicht die Antwort.
Steif setzte ich einen Fuß vor den anderen und begann zu laufen.
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Die Tage gibt es mehr, wenn Bedarf besteht. Und wenn nicht, gibts trotzdem welchen

