Eine Geschichte von mir

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Eine Geschichte von mir

Beitragvon Plejaden am Di 18. Mär 2008, 18:53

Ich hatte ja schon bei Karsten geschrieben, dass mich die Idee einer Fortsetzungsgeschichte sehr reizt. Danke nochmal an Karsten für diesen Gedankenanstoß :lol: .

An dieser Stelle möchte ich eine Sci-Fi- und Fantasy-Warnung aussprechen - wer mit dem Genre nichts anfangen kann, liest auf eigene Gefahr weiter. Aber keine Angst, es werden euch keine Elfen oder Zwerge über den Weg laufen ;) . Es ist die erste Geschichte, die ich in der Ich-Perspektive schreibe, aber ich fand es dem Verlauf der Handlung angemessen.

Naja, auf denn.

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ALFARIA

1. Kapitel
Die Dunkelheit umgab mich wie ein sanftes, aber festes Tuch. Leise strich sie durch meinen Geist, umgab meine Seele und hüllte mein Ich in dunkle Watte. Meine Gedanken gingen träge, ich erfasste den Sinn des Denkens nicht. Es schien ein Bedürfnis, ja geradezu eine Notwendigkeit zu sein, sich der Dunkelheit zu ergeben, sich darin treiben zu lassen. Ich wusste nicht, wie lange ich schon in dieser düstren Weite schwebte. Es schien eine Ewigkeit zu sein.
Doch als ich tiefer sinken, mich in die weiche Finsternis ergeben wollte, störte etwas den dunklen Reigen. Weit weg, wie aus unendlicher Ferne, reizte etwas meine Ohren. Geräusche. Leise hallten sie durch meinen Geist, schienen an den Wänden meines Ichs wie ein imaginäres Echo widerzuhallen. Ich konnte ihnen keinen Sinn zuordnen, wusste nicht, was sie zu bedeuten hatten. Doch sie verbreiteten Unruhe. Die tiefe Zufriedenheit in meiner Finsternis was dahin. Parallel zu den Geräuschen drang ein neues Gefühl in meine Welt: Ein rhythmisches, ruhiges Pochen. Mein Herzschlag. Ich hatte ein Herz. Die Erkenntnis reichte aus, um den Puls zu beschleunigen. Ein Herz. Ein Körper. Ich spürte meine Arme und Beine, wie aus weiter Ferne. Begann die Schwere zu fühlen, die mich auf einen Boden presste. Spürte meinen Atem, Luft, die meine Lungen füllte. Dann begann sich die Dunkelheit selbst aufzulösen, machte einem sanften, orangenen Glühen Platz. Mein Bewusstsein war erwacht, war zurückgekehrt. Das Geräusch war der Wind, der um meinen Kopf wehte, und der Wind brachte Kälte mit sich. Ich öffnete die Augen.

Es dauerte einen Augenblick bis mein Blick sich fokussierte. Ich lag auf dem Boden, auf nackter, roter Erde. Jetzt konnte ich ihre Rauheit auf meiner Haut fühlen. Doch bereits einen Meter von meiner Nase entfernt wandelte sich die Erde in Gras, knöchelhohes, blaugrünes Gras, das sanft im kalten Wind wiegte. Weiter konnte ich nicht sehen. Ich würde mich aufrichten müssen. Einen Moment blieb ich noch liegen, doch der Genuss war verschwunden. Die angenehme Schwere, die warme, wattige Dunkelheit waren fort, endgültig. Statt dessen schnitt der kalte Wind in meine Haut.

Ich blickte meine rechte Hand an, die nur einige Zentimeter vor meinen Augen schlaff auf dem Boden lag. Betrachtete meine schneeweiße Haut, die unglaublich schlanken Finger, in denen keine Knochen zu existieren schienen. Dann presste ich meine Lippen aufeinander und bewegte eben diese Finger. Es fühlte sich steif an, die Gelenke knackten. Ich bewegte den ganzen Arm, entdeckte den zweiten Arm, den ich besaß, und bewegte auch ihn. Dann schob ich beide Gliedmaßen unter meinen Körper und stemmte mich in die Höhe.
Sitzend konnte ich die Umgebung überblicken. Tatsächlich lag ich auf einem Weg, einem Trampelpfad eher, aus roter, plattgetretener Erde. Um mich herum erstreckte sich eine unendliche Graslandschaft, die erst in weiter weiter Ferne von Bergen begrenzt wurde. Ich blickte mich um, sah den Weg entlang, und konnte in nicht geringerer Ferne etwas erblicken. Verbissen kniff ich die Augen zusammen und erkannte ein Dorf, auf das der Weg zuführte. Hinter dem Dorf ging in allen möglichen Nuancen von Rot die Sonne auf.

In diesem Moment erfasste mich eine kurze Windböe und ich erschauderte heftig. Ich griff mit meiner Rechten an meinen linken Arm und rubbelte ihn kurz, um Wärme in ihn hinein zu treiben. Ich musste hier weg und mir warme Kleidung besorgen oder einen warmen Ort zum Ausruhen. Das Dorf schien der geeignete Fleck für derartige Bedürfnisse zu sein. Als ich mich gerade aufrichten wollte fiel mein Blick auf den Boden - und ein heißer Schreck durchfuhr mich, vertrieb die Kälte aus meinen Gliedern. Der Boden war voller Blut.

Ich brauchte einen Augenblick um diese Erkenntnis zu verarbeiten. Blut. Mein...? Panisch blickte ich an mir herab, ich war besudelt, meine Kleidung, meine Haut... Ich tastete an mir herum, doch konnte keine Verletzung sehen oder spüren. Statt dessen stellte ich fest, dass meine Kleidung arg ramponiert war. Ich trug Sachen, die für dieses Wetter denkbar ungeeignet waren, ein kurzärmeliges, buntes Kleid und darunter eine kurze, eng anliegende Hose. Schuhe trug ich keine, meine hundeartigen, kräftigen Beine und meine Füße lagen bloß. Was war hier passiert, was hatte ich hier verloren? Ein neuer Schreck durchfuhr mich als ich feststellte, ich konnte mich nicht erinnern. Mein Geist war leer.

Ich schluckte schwer, während ich mich langsam erhob. Nur weg von dem ganzen Blut. Ich schwankte ein wenig als ich erneut versuchte, mich zu erinnern. Aber da war nichts. Mein Gedächtnis war ausgelöscht. Ich erinnerte mich, dass ein Baum ein Baum war, und Gras Gras; diese Dinge wusste ich. Aber was passiert war, bevor ich hier zu liegen gekommen bin - das war weg, fort, ausgelöscht. Ich zitterte. Ein drängendes Gefühl machte sich in mir breit wie eiskaltes Wasser. Es war wichtig, dass ich mich erinnerte, ich spürte es ganz deutlich, ich war dabei gewesen etwas wichtiges zu tun, bevor... mir etwas zugestoßen war. Aber was? Es brach mir das Herz, ich zitterte immer heftiger. Ich musste mich erinnern, es war wichtig, so unendlich wichtig, aber ich konnte nicht. Ich konnte es einfach nicht. Langsam schlang ich die Arme um meinen Körper und öffnete den Mund zu einem stummen Schrei, hatte das Gefühl, meine Seele selbst würde zerspringen. Doch als das Gefühl unerträglich zu werden begann ließ es plötzlich nach. Erleichterung machte sich breit, wenn auch nur trügerische Erleichterung. Das Gefühl, dass es wichtig war mich wieder erinnern zu können, blieb. Nervös fuhr ich durch meine langen, blauen Haare und nahm das Dorf ins Visier. Das war mein Ziel. Was immer gewesen sein mochte, was immer mir zugestoßen war - dort wartete vielleicht die Antwort.

Steif setzte ich einen Fuß vor den anderen und begann zu laufen.

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Die Tage gibt es mehr, wenn Bedarf besteht. Und wenn nicht, gibts trotzdem welchen ;) .
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Re: Eine Geschichte von mir

Beitragvon Summerdream am Do 27. Mär 2008, 00:57

hi plejaden

Die Tage gibt es mehr, wenn Bedarf besteht. Und wenn nicht, gibts trotzdem welchen

ich hab mal gehört man soll bei solchen sachen nicht drängen, aber langsam werd ich ungeduldig :lol:

ich dachte mir ja erst "hm... sci-fi und fantasy - naja" aber deins liest sich echt gut! ich will mehr :D

grüßle
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Re: Eine Geschichte von mir

Beitragvon Plejaden am So 13. Apr 2008, 13:56

Hallo summerdream,

sorry, dass es so lange gedauert hat *schäm* . Ich gelobe für die Zukunft öftere Aktualisierungen :mrgreen: .

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Kapitel 2

Der Weg schien sich endlos hinzuziehen. Ich hatte lange Zeit den Eindruck das Dorf würde kein Stück näher kommen. Immerhin begann sich die Steifheit zu lösen; meine Muskeln lockerten sich und ich hatte nicht mehr das Gefühl einen Stock verschluckt zu haben.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel als ich endlich die ersten Häuser erreichte. Ich runzelte irritiert die Stirn als ich die leere Straße vor mir erblickte. Sollten die Menschen um diese Zeit nicht bereits auf den Beinen sein? Aber hier war niemand, nicht einmal ein Geräusch menschlicher Aktivität drang an mein Ohr. War der Ort vielleicht verlassen? Doch die kleinen Häuser, welche die Straße säumten, machten einen gepflegten Eindruck. Sie hatten einen runden Grundriss, die Wände bestanden aus senkrecht vernagelten und ordentlich zurecht geschnittenen Brettern, die Dächer waren mit einer dicken Schicht aus Zweigen gedeckt. Eins sah aus wie das andere.

Ich ging weiter in den Ort hinein und blickte mich nach einem Fleckchen um, an dem ich auf ein Lebenszeichen warten konnte. Einen Augenblick dachte ich darüber nach durch Rufen auf mich aufmerksam zu machen, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Vielleicht schliefen die Bewohner noch.
Ich fand nichts wo ich mich hätte niederlassen können. Ein Häuschen war an das andere gereiht wie Steckrüben auf einem Feld, nirgendwo eine Unregelmäßigkeit, nirgendwo eine Lücke. Die ganze Sache wurde mir zusehends unheimlich. Ich wollte mich gerade fragen, ob ich mich nicht doch aus dem Staub machen sollte, als sich plötzlich ein seltsames Gefühl in meinem Hinterkopf meldete. Dieses Gefühl näher zu beschreiben war mir unmöglich; es erfüllte mich mit einer drängenden Unruhe und trieb meinen Puls in die Höhe. Etwas war hinter mir... Ich drehte mich um - und erstarrte.

Dort, wo ich noch vor wenigen Sekunden entlang gegangen war, standen unzählige Menschen. Völlig lautlos. Ich prallte zurück wie von einer unsichtbaren Wand und taumelte erschrocken zurück. Wie waren sie dorthin gekommen? Was wollten sie von mir? Sie starrten mich einfach an, Frauen, Kinder, Männer, Alte und bildeten auf der Straße eine undurchdringliche Mauer aus Leibern. Es mochten an die Hundert sein, vielleicht sogar mehr. Ihre zerlumpte Kleidung flatterte im Wind.
Ich hatte meine Überraschung noch nicht verwunden, als sich das seltsame Gefühl wieder meldete. Bevor ich mir dessen jedoch gewahr werden konnte, wurde ich plötzlich an beiden Armen gegriffen. Erschrocken wandte ich meinen Kopf und erblickte zwei riesige Männer, die mich gepackt hielten. Völlig lautlos hatten sie sich von hinten genähert und mich überrumpelt.
"Hey, was soll das?" rief ich heiser, doch die beiden blieben mir eine Antwort schuldig. Statt dessen drehten sie sich um und schleiften mich die Straße entlang, auf den Ausgang des Dorfes zu, der in einiger Entfernung vor mir zu erkennen war. Ich wehrte mich nach Kräften, stemmte die Beine in den Boden, versuchte mich auf den Boden zu werfen, doch alles sinnlos. Die beiden Hünen besaßen eine unmenschliche Kraft und führten mich absolut mühelos mit. Ich schrie und schimpfte, doch sie reagierten nicht. Als ich mich umwandte konnte ich erkennen, dass die ganze Dorfgemeinschaft uns folgte. Ein alter Mann in einem seltsamen Aufzug lief vorweg. Sie bewegten sich alle nach wie vor völlig lautlos.

Als wir das Ende des Dorfes erreicht hatten stieg der Weg leicht an; ich konnte einen flachen Hügel oder Wall aus nacktem Felsen erkennen, auf den der Weg hinauf führte. Der Wall erstreckte sich nach links und rechts bis er außer Sichtweite geriet. Er war wie eine felsige Zäsur in der sanften grasbewachsenen Ebene.
Auf dem steinigen Boden hatte ich meinen Entführern erst recht nichts entgegen zu setzen, also stellte ich meinen Widerstand vorerst ein. Vielleicht würde sich eine bessere Gelegenheit zur Flucht ergeben oder ich würde irgendwann mit ihnen reden können. Irgendetwas würde schon passieren, was mich aus dieser misslichen Lage befreien würde. Ich sollte Recht behalten, jedoch auf andere Weise als vermutet.

Wir erreichten die Kuppe des Walls - und ich blickte in einen gähnenden, pechschwarzen Abgrund. Das Herz rutschte mir in die Hose, meine Augen weiteten sich wie Untertassen. Es war eine Schlucht, die sich da vor mir öffnete, sie erstreckte sich genauso weit nach links und rechts wie der Wall und die andere Seite war etwa zwanzig Meter entfernt. Als habe jemand, ein riesiger Jemand, das Land mit einem gigantischen Messer zerschnitten und dabei den Wall als Narbe erzeugt.

Wir stoppten etwa einen Meter von der Kante entfernt. Ich wollte gerade beginnen ein richtig schlechtes Gefühl zu bekommen, als hinter mir eine heisere Stimme aufbrandete: "Ibraksias!" Es war der alte Mann.
"Ibraksias!" wiederholte die Menschenmenge das Wort, mein Brustkorb erbebte unter ihren vielen Stimmen. Mein mulmiges Gefühl wurde stärker.
"Ibraksias, geheiligte Schwärze, gelobte Tiefe, hör uns an!"
"Höre uns an!" wiederholte die Menge.
"Siehe, Ibraksias, der Herr der Welten hat uns Nahrung geschickt!"
"Nahrung! Nahrung!" kreischte eine einzelne hysterische Stimme in der Menge, und die anderen stimmten ein. Eine Handbewegung des Alten brachte alle wieder zum Schweigen.
"Geheiligte Tiefe, der Herr der Welten sandte uns Nahrung. Doch siehe, wir wollen sie nicht. Statt dessen, gelobte Schwärze, schenken wir dir die Nahrung. Höre uns Ibraksias: Wir schenken sie dir! Du bekommst das Geschenk des Herrn der Welten!"
"Das Geschenk! Für dich!" brüllte die Menge. Das Gebrüll veränderte sich, bis daraus ein rhythmischer Singsang wurde. Der Alte schien dem nichts mehr hinzuzufügen zu haben. Ich fragte mich gerade wie es weitergehen würde, als die beiden Riesen mich an den Abgrund heranschoben. Meine Lebensgeister erwachten wieder als ich erkannte, was sie vorhatten.
"Nein!", kreischte ich, "Nein! Nein!" Ich versuchte meine Krallen in den Boden zu bohren, doch sie rutschten auf dem felsigen Boden ab.
"Nimm das Geschenk, Ibraksias!" schrie der Alte noch, dann stießen mich die beiden Riesen nach vorne und ich fiel.

Ich schrie wie am Spieß als die fehlende Schwerkraft meinen Magen nach oben riss. Der Wind flatterte an mir vorbei, das Licht schwand. Ich kreischte mir die Seele aus dem Leib als ich fiel und fiel. Und plötzlich war er da, ein einziger, fundamentaler Wunsch - Boden. Boden. Boden. Ich wollte Boden unter meinen Füßen. Das Fallen sollte zu Ende sein. Boden. Boden! Und dann geschah es.
Unter meinen Füßen erschien eine weiße Fläche, ein Kreis, etwa einen Meter im Durchmesser. Ich traf den Kreis, ging instinktiv leicht in die Knie und sprang wieder ab. Ich flog ein wenig vorwärts - und fiel dann wieder. Erneut war der Wunsch nach Boden da und erneut erschien die Fläche, leichter diesmal. Ich stieß mich wieder ab, kam wieder ein Stück vorwärts, die Fläche erschien erneut - bis ich die gegenüberliegende Wand des Abgrunds vor mir sah. Ich sprang ein letztes Mal und kollidierte unsanft mit der Wand. Hastig suchte ich nach Halt, meine Hände krallten sich in eine Spalte, meine Füße kratzten hektisch an der Wand entlang bis sie Halt fanden. Der Fall hatte ein Ende.

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So, mal schauen wie es weiter geht. Naja, ich habe schon ein bisschen weiter geschrieben, aber das wäre zuviel auf einmal. Muss erst noch ein passendes Ende für Kapitel 3 finden. Bis dahin viel Spaß beim Lesen ;)
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Re: Eine Geschichte von mir

Beitragvon Plejaden am Sa 3. Mai 2008, 13:17

So, da bin ich wieder und es geht weiter, frei nach dem Motto, ein paar durchgeknallte Kultisten gehören in jede Geschichte ;) .

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Kapitel 3

Keuchend krallte ich mich fest, hing wie eine Eidechse an der kalten rauhen Felswand und begann zu zittern. Nein, das war nicht gut. Ich würde mich nicht lange festhalten können. Ich spürte wie wilde Panik in mir aufstieg, wie der Wahnsinn der Angst nur eine Handbreit entfernt war. Entschlossen schluckte ich das Gefühl herunter - dafür würde später noch Zeit sein. Zitternd blickte ich mich um. Schemenhaft erkannte ich zwei Meter von mir entfernt einen dunklen Fleck in der Wand, eine Nische oder eine Höhle. Das würde mein Ziel sein. Zuerst streckte ich ein Bein aus, suchte nach Halt und fand ihn. Dann tastete ich mich weiter vor. Zeit, ich hatte Zeit. Nur keine Hektik. Kurz vor der Nische überfiel mich noch einmal Panik, weil ich nicht wusste, wie ich hinein gelangen sollte. Doch dann ergriff meine suchende Hand im Innern einen Halt und ich zog mich hinein. Ich fand mich in einer Höhle wieder, etwa eineinhalb Meter hoch und von der Tiefe nicht abzuschätzen. Ich war in Sicherheit, vorerst.

Kaum war ich mir dieser Erkenntnis bewusst geworden, begann ich wieder zu zittern. Es wurde immer heftiger und schüttelte mich durch, ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten. Ich rollte mich zusammen und weinte, zitterte dabei wie Espenlaub. Die Erkenntnis, wie knapp ich dem Tode entkommen war, überrollte mich mit aller Macht. Ich brauchte einige Minuten um mich wieder zu beruhigen. Doch dann wurde es besser. Ich öffnete die Augen und ließ die Welt wieder an mich heran.

Als erstes hörte ich, dass oben immer noch geredet wurde. Die Worte fielen wie Regen in den Abgrund herab. Ich blickte mich um und fragte mich, wie es nun weitergehen würde. Wie sollte ich von hier weg kommen? Mein Leben hatte ich gerettet, doch dies schien nur ein vorläufiger Aufschub zu sein. Wenn ich nicht wieder nach oben zurückfinden würde, dann würde ich hier unten elendig verhungern und verdursten. Vorsichtig streckte ich den Kopf aus meinem Loch; über mir schwebte in weiter ferne das helle Band des Himmels. Es war unmöglich zu sagen, wie tief ich gefallen war. In diesem Moment wurde mir noch etwas klar - was hatte mich eigentlich gerettet?

Ich zog meinen Kopf wieder in die Höhle zurück und starrte die Wand an. Weiße Flächen. Ich hatte weiße Flächen unter meinen Füßen... erzeugt. Konnte ich das schon immer? Was hatte das zu bedeuten? Ich war zutiefst verwirrt. Für einen Moment dachte ich darüber nach diese Flächen zu benutzen um wieder nach oben zu gelangen - aber der Gedanke, mich wieder in diesen bodenlosen Abgrund zu stürzen, erfüllte mich mit Grauen. Nein, ich wollte nie wieder da raus. Nie wieder. Ich wandte mich um, drehte der Öffnung den Rücken zu und blickte in das Schwarz vor mir. Ob diese Höhle wohl weiter in den Felsen hineinführte? Ich wünschte, dass ich besser sehen könnte... Ich kniff die Augen zusammen, strengte mich an, versuchte das Dunkel zu durchdringen - und dann geschah etwas seltsames. Der Wunsch verselbstständigte sich, gewann auf irgendeine Weise an Kraft, ich wünschte mir von ganzem Herzen besser sehen zu können, bis in den tiefsten Winkel meiner Seele. Und tatsächlich - langsam konnte ich schemenhaft die Wände meiner Höhle entdecken. Es gab einen engen Gang, der tiefer in den Felsen, aber auch nach oben führte. Ich lächelte. Das war besser als gar nichts. Einmal noch blickte ich zurück, dann begann ich zu kriechen.

Ich wusste nicht, wie lang ich durch die Finsternis kroch. Ich konnte mich lediglich auf allen vieren bewegen, unter meinen Händen und Füßen war als eine ekelige, feuchte Schlammschicht. Die dünnen Härchen auf meinen Armen stellten sich auf und ich war mehr als einmal versucht wieder zurück zu kriechen. Doch jedesmal, wenn ich kurz davor war wieder den Rückweg anzutreten, geschah etwas Neues: Zuerst glaubte ich Licht zu sehen; dann fühlte ich einen schwachen Luftzug, der meine Haut sanft streichelte; schließlich glaubte ich Geräusche zu hören.

Als ich endgültig der Meinung war, dass es sich bei alledem nur um Einbildung handeln musste und ich langsam verrückt werden würde, erkannte ich tatsächlich einen hellen Schein vor mir. Zuerst wollte ich es nicht glauben, doch je näher ich kam, desto sicherer wurde ich, dass es kein Hirngespinst war. Hinter einer Biegung schien tatsächlich eine Lichtquelle zu sein, etwa ein Dutzend Meter vor mir. Ich zwang mich mit meinen inzwischen geschundenen Händen und Knien schneller zu kriechen, bis ich die Biegung erreicht hatte. Ich robbte mich vorsichtig näher heran, blickte um die Ecke - und wurde geblendet.

Vor mir befand sich ein Ausgang, etwa fünf Meter entfernt. Es dauerte einige Sekunden, bis sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Ich begann langsam etwas zu erkennen, vor mir befand sich die bereits bekannte Grasebene, weit am Horizont die Berge. Ich lächelte und unterdrückte ein irres Lachen, dann kroch ich langsam näher und versuchte mich aus meinem Versteck heraus vorsichtig umzuschauen.
Links und rechts des Eingangs lagen Felsbrocken. Anscheinend befand ich mich an dem Wall, welcher die Schlucht an beiden Seiten umklammerte. Sonst war niemand zu sehen.

Ich verharrte noch einige Zeit in meinem sicheren Versteck, unschlüssig ob ich gehen oder noch eine Minute bleiben sollte. Nach einer kleinen Ewigkeit nahm ich mir ein Herz. Ich holte tief Luft und kroch vorsichtig aus der Höhle, meine Nerven waren so gespannt, dass sie zu schmerzen schienen. Jede Sekunde, jeden Augenblick erwartete ich einen Aufschrei, meine Entdeckung. Doch nichts passierte. Ich bemerkte, dass ich immer noch auf dem Boden herumkroch und stand vorsichtig auf. Ich sah aus wie ein Tier, das sich im Dreck gewälzt hatte, einfach fürchterlich. Überall klebte der schleimige, feuchte Schlamm an meiner Haut. Ich versuchte vergeblich ihn zu entfernen und entschied mich dann dafür ihn abzuklopfen sobald er getrocknet war.

Mit einem Mal drangen Geräusche an mein Ohr. Ich horchte auf und erkannte ein vielstimmiges Gemurmel hinter mir, offenbar aus weiter Entfernung. Offensichtlich war die Versammlung dieser komischen Menschen immer noch im Gange, sie schienen nicht bemerkt zu haben, dass sich ihr Opfer hatte retten können. Ich kämpfte einen Augenblick mit mir selbst und entschied mich dann dafür meiner Neugier nachzugeben. Ich wollte sehen, was da vor sich ging.

Vorsichtig erklomm ich den Wall; auf dieser Seite war kein bequemer Weg nach oben vorhanden und ich musste mich durch die losen Felsen nach oben schlagen. Mehr als einmal überlegte ich, dass es vielleicht doch besser sei umzukehren. Doch ich kämpfte mein schlechtes Gefühl nieder und kletterte weiter. Endlich hatte ich den Kamm erreicht, suchte Schutz hinter einem großen Felsen und lugte vorsichtig hervor.

Die Versammlung war immer noch im vollen Gange. Inzwischen bot sich ein bizarres Bild dar: Die Teilnehmer wiegten sich hin und her, wie Grashalme im Wind. Dirigiert wurde der seltsame Tanz vom Ältesten, der seine Arme erhoben hatte und damit wedelte, die Menge folgte seinen Bewegungen. Aus dem Gemurmel, das ich vor ein paar Augenblicken noch gehört hatte, war nun eintöniges Summen geworden, es erhob sich wie ein Schallteppich über die Erde. Die ganze Veranstaltung wirkte beruhigend, fast betäubend. Ich spürte, dass eine gewisse Schwere meine Glieder überkam. Doch bevor ich noch tiefer in diese Welt aus wohliger Müdigkeit sinken konnte, hörte ich das Klackern von Steinen hinter mir und Sekunden später eine zischende Stimme:

"Hier bist du, du Magieblödian!"

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Fortsetzung folgt alsbald. Hoffentlich.
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Re: Eine Geschichte von mir

Beitragvon Summerdream am Sa 3. Mai 2008, 23:08

hi plejaden

holla, du kannst nicht nur gut zeichnen sondern auch schreiben! kreative ader würd ich mal sagen 8-)

und ja ich weiß, das willste etz gar net hören: ich warte gespannt auf kapitel 4 :lol:

grüßle
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Re: Eine Geschichte von mir

Beitragvon Elocin am So 20. Jul 2008, 15:42

Hallo Plejaden,

Geduld ist schon nicht leicht aber wie lange müssen wir den Geduld haben bis wir den nächsten Teil lesen dürfen, bitte bitte nicht sooo lange.

Liebe Grüsse
Elocin
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